Job finden

Elektriker im Check: Voraussetzungen, Spezialisierungen und Verdienst

· 6 min

In Deutschland geht fast nichts mehr ohne Strom und elektrische bzw. elektronische Abläufe. Gerade für die Energiewende gibt es einen zusätzlich hohen Bedarf an spezialisiertem Fachpersonal. Und dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) fehlten in Deutschland (Stand 2024) etwa 96.500 Fachkräfte. Damit Sie herausfinden können, ob Sie vielleicht zu einem Teil der Lösung werden und die Ausbildung zum Elektriker (bzw. Elektroniker) antreten wollen, klären wir in diesem Artikel alle wichtigen Fragen rund um das Berufsfeld. Sie bekommen konkrete Antworten auf die Fragen “Was macht ein Elektriker?”, “Wie viel verdient man als Elektriker?” und “Was ist der Unterschied zwischen Elektriker und Elektroniker?”.

Warum in Deutschland oft genauer zwischen Elektriker und Elektroniker unterschieden wird

Ist Elektriker und Elektroniker das Gleiche? Wo liegt der Unterschied zwischen diesen beiden Berufen? Früher gab es tatsächlich den offiziellen Beruf des Elektrikers, seit der Handwerksreform von 2004 handelt es sich dabei aber in aller Regel um einen umgangssprachlichen Begriff und es gibt fast nur noch Elektroniker (mit verschiedenen Spezialisierungsgebieten). Elektriker wird zwar weiterhin als Sammelbegriff verwendet, der eigentliche Ausbildungsberuf ist aber im Normalfall Elektroniker. Umgangssprachlich macht es nichts, wenn beide Begriffe miteinander vermischt werden, korrekt ist dies allerdings nicht. 

Welche Spezialisierungen für Elektriker besonders relevant sind

Es gibt verschiedene Spezialisierungsbereiche, zwischen denen Elektroniker wählen können und zu denen unterschiedliche Ausbildungsgänge gehören. Folgende sind besonders relevant: 

  • Gebäudetechnik – Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik beschäftigen sich mit allem, was rund um das Thema Strom im häuslichen Bereich anfällt. Sie verlegen und reparieren Stromleitungen, kümmern sich um Steckdosen und Sicherungskästen, installieren Smarthome-Systeme und vieles mehr. Ihr Einsatzgebiet ist häufig auf Baustellen oder in privaten Wohnungen. Wenn Menschen umgangssprachlich von einem Elektriker sprechen, meinen sie häufig Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. 
  • Industrie – Industrieelektriker beschäftigen sich, wie der Name bereits andeutet, mit der Elektrik bzw. Elektronik im industriellen Kontext. Sie arbeiten in der Regel in größeren Betrieben und haben einen Fokus auf industrielle Anlagen. Industrieelektriker ist eine verkürzte Ausbildung und häufig arbeiten Industrieelektriker eher unterstützend und übernehmen einfachere Aufgaben. 
  • Betriebstechnik – Elektroniker für Betriebstechnik arbeiten ebenfalls häufig für Industriebetriebe. Ihre Aufgabe ist es, größere Anlagen zu warten, Fehleranalysen durchzuführen und Schaltpläne und Steuerungen zu installieren und zu warten. 
  • Automatisierungs- und Steuerungstechnik – Elektroniker für Automatisierungstechnik ist vielleicht der komplexeste Beruf im Zusammenhang mit Elektronik. Diese Fachkräfte sind eine Art Schnittstelle zwischen mechanischen und elektronischen Prozessen, sowie zwischen der IT und der Elektrik. Sie automatisieren Maschinen und Anlagen, optimieren Prozesse und finden, analysieren und beheben Fehler in komplexen Systemen. Außerdem können Sie als Elektroniker für Automatisierungstechnik sogar mit Robotik und Ähnlichem arbeiten. 

Wie Sie sehen, können Sie als Elektroniker zwischen ganz unterschiedlichen Schwerpunkten wählen und auch das Gehalt und die Aufstiegschancen unterscheiden sich stark voneinander.  Bevor Sie sich also für einen bestimmten Ausbildungsberuf in diesem Bereich entscheiden, sollten Sie sich über die jeweiligen Besonderheiten informieren und sich klar machen, wo Ihr späterer Schwerpunkt liegen soll, auch wenn in der Praxis oft ein Wechsel der Einsatzgebiete möglich ist. 

Wie Ausbildung und Einstieg in den Beruf ablaufen

Die Elektriker-Ausbildung existiert in dieser Form nicht mehr. Wenn Sie in diesen Berufszweig einsteigen wollen, machen Sie eine der verschiedenen Ausbildungen zum Elektroniker. So läuft die Ausbildung in etwa ab: 

  • Elektriker-Ausbildung Dauer: In der Regel dauert die Ausbildung 3,5 Jahre. Eine Verkürzung der Ausbildung ist unter bestimmten Umständen möglich. Die Ausbildung zum Industrieelektriker dauert nur 2 Jahre, ist aber auch weniger fundiert und bietet geringere Karrierechancen.
  • Die Ausbildung findet dual statt. Das bedeutet, Sie absolvieren den theoretischen Teil in der Berufsschule, den praktischen hingegen in Ihrem Ausbildungsbetrieb. 
  • Am Ende der Ausbildung absolvieren Sie die Gesellenprüfung und dürfen sich, wenn Sie diese bestehen, “Geselle“ nennen.  
  • Sie bekommen während der Elektriker-Ausbildung Gehalt. Durchschnittlich haben wir von Jooble einen Durchschnittswert von 16.416 Euro im Jahr für alle Lehrjahre und mögliche Ausbildungsberufe in diesem Bereich errechnet. Im ersten Lehrjahr erhalten Sie ein niedrigeres Gehalt als im letzten, das Salär ist also gestaffelt. 
  • Um die Ausbildung antreten zu können, wird in der Regel ein Haupt- oder Realschulabschluss vorausgesetzt. Besonders ein grundlegendes mathematisches und physikalisches Verständnis sollten angehende Lehrlinge mitbringen. 
  • Nach der Ausbildung werden viele Lehrlinge von ihrem Lehrbetrieb übernommen. Andernfalls gibt es in den meisten Fällen viele Stellenangebote für gelernte Elektroniker. 

Die Arbeit an elektrischen Anlagen ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Elektriker ohne Ausbildung zu werden ist daher nicht wirklich möglich und es gibt keinen Elektriker-Schein ohne Ausbildung. Unter Aufsicht können Sie theoretisch Hilfsarbeiten durchführen, die Möglichkeiten sind aber äußerst begrenzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Tätigkeiten im Handwerk stehen die Chancen für ungelernte Hilfskräfte in der Branche also eher schlecht. 

Was Elektriker in Deutschland verdienen können

Wie viel verdient ein Elektriker? Für den Sammelbegriff “Elektriker” haben wir bei Jooble aus vielen Stellenangeboten einen Durchschnittswert von 35.811 Euro berechnet. Allerdings ist zu beachten, dass es verschiedene Faktoren gibt, die sich auf das Gehalt auswirken. Zum einen gibt es klare Unterschiede im Gehalt, abhängig vom Standort. In Ostdeutschland verdienen Sie zum Beispiel in der Regel weniger als in Westdeutschland. Während Sie in Bayern zum Beispiel auf ein Jahressalär von 47.668 Euro kommen, sind es in Sachsen-Anhalt 35.197 Euro. Außerdem ist die Berufserfahrung ein entscheidender Faktor, der das Gehalt beeinflusst. Der wichtigste Unterschied steht aber im Zusammenhang mit Ihrer genauen Berufsbezeichnung: 

  • Was verdient ein Elektriker in der Gebäudetechnik? Durchschnittlich 38.896 Euro.
  • Wie hoch ist das Industrieelektrikergehalt? Häufig etwas höher als im Handwerk, aber geringer als bei anderen Tätigkeiten in der Industrie. 
  • Elektroniker für Betriebstechnik kommen durchschnittlich auf 39.303 Euro im Jahr. 

Informieren Sie sich also genau, welche Verdienstmöglichkeiten Sie im jeweiligen Beruf haben, bevor Sie sich für eine bestimmte Ausbildung entscheiden, denn es gibt teilweise nennenswerte Unterschiede zwischen den verschiedenen Berufsbildern, was den Gehaltszettel angeht. 

Finden Sie die Position, die am besten zu Ihnen passt

400.000+ Jobangebote – jetzt auf Jooble verfügbar

Warum sich gerade technische Zusatzqualifikationen langfristig auszahlen können

Nach der Ausbildung haben Sie noch lange nicht das volle Potenzial Ihrer Karriere ausgeschöpft. Sie können in verschiedenen Bereichen Fortbildungen und Spezialisierungen machen. Das hat zum einen den Vorteil, dass Sie für weitere Stellenangebote infrage kommen und fast sicher immer einen Job finden, zum anderen hat es natürlich eine Auswirkung auf Ihre Verdienstmöglichkeiten. Beispielsweise können Sie sich auf erneuerbare Energien und Photovoltaik spezialisieren. Aufgrund der angestrebten Energiewende werden hier viele Fachkräfte gesucht und die Zusatzqualifikation hebt Sie klar von der Masse ab. Aber auch zum Beispiel für die Arbeit mit Sicherheitstechnik gibt es die Möglichkeit, sich zu spezialisieren und zusätzliche Felder zu erschließen. Die sicherste und gewinnbringendste Zusatzqualifikation nach der Ausbildung ist und bleibt der Meistertitel. Diesen erwerben Sie im Rahmen einer Elektriker-Meister-Ausbildung. Ein solcher Meistertitel berechtigt Sie dazu, angehende Elektroniker auszubilden oder einen eigenen Betrieb zu gründen und sich selbstständig zu machen. Eine Selbstständigkeit ist zwar immer mit einem gesteigerten Risiko verbunden und bringt viele Herausforderungen mit sich, denen Sie in einem Anstellungsverhältnis nicht ausgesetzt sind, kann aber langfristig auch deutlich höhere Gewinne einbringen, als eine Anstellung es zu tun vermag. Aber auch angestellt hat ein Meistertitel massive Auswirkungen auf Ihr Gehalt. Für den Sammelbegriff “Elektriker“ ergeben unsere Berechnungen einen Durchschnittswert von 52.218 Euro, wenn Sie einen Meistertitel vorweisen können. Bildung lohnt sich statistisch in Bezug auf das Gehalt immer und der Unterschied zwischen einem Gesellengehalt und dem eines Meisters ist mitunter gewaltig.