2025 wurden mehr als 4.000.000 Kinder in Kindergärten, Krippen und ähnlichen Einrichtungen professionell betreut. Das entspricht einer Betreuungsquote von etwa 95 Prozent bei den 3- bis 6-Jährigen. Um so eine große Menge an Kindern betreuen zu können, braucht es im Umkehrschluss natürlich auch viele ausgebildete Fachkräfte. Ein Großteil dieser Fachkräfte ist Erzieher und Erzieherin. Wie die Ausbildung Erzieherin abläuft, welche Erzieher Stellenangebote es gibt und wie der Arbeitsalltag eines Erziehers aussehen kann, erfahren Sie in diesem Artikel.
Was macht ein Erzieher im Alltag?
Kennen Sie den Satz “So einen Job wie Sie möchte ich auch gerne haben?”. Oder das Vorurteil, Erzieher würden “den ganzen Tag nur mit den süßen Kleinen spielen und Kaffee trinken?”. Wenn Sie bereits praktische Erfahrung als Kindergärtnerin oder in einem ähnlichen Berufsfeld mitbringen, ist das vermutlich der Fall und es wird Zeit, endlich mit derartigen Annahmen aufzuräumen. Was sind also typische Tätigkeiten von Erziehern?
- Die Betreuung von Kindern oder Jugendlichen, je nach konkretem Arbeitgeber, im Kindergarten, Hort, in der Krippe oder in einer Jugendeinrichtung.
- Die Förderung und Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen.
- Die Integration von Kindern und Jugendlichen in soziale Konstrukte, sowie die Unterstützung bei der sozialen Entwicklung.
- In einigen Bereichen wie der Krippe kann auch Körperpflege zum Berufsalltag gehören.
- Die Beobachtung und Dokumentation von Entwicklungsschritten der zu Betreuenden in verschiedenen Bereichen.
- Die Umsetzung von Hygienevorschriften und Sicherheitskonzepten im Gruppenalltag.
- Die Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten in Form von Entwicklungsgesprächen und Ähnlichem.
- Planung und Umsetzung von Aktivitäten und pädagogischen Maßnahmen.
- Die Koordination mit anderen Teammitgliedern.
Der Alltag als Kindergarten-Erzieherin oder in anderen Einrichtungen ist also, wie Sie sehen, unterschiedlich und vielfältig, wie es die Kinder selbst sind, und geht weit über Kaffee trinken und spielen hinaus. Der Umstand, dass es sich bei der Tätigkeit als Erzieher um eine anspruchsvolle Berufslaufbahn handelt, wird auch dadurch unterstrichen, dass Mitarbeiter in diesem Beruf überdurchschnittlich oft krank sind. Atemwegserkrankungen und psychische Leiden stellen dabei die größten Probleme dar und zeigen auf, welchen Arten von Belastungen Erzieher ausgesetzt sind.
Welche Ausbildung braucht man, um Erzieher zu werden?
Kommen wir zur Erzieherausbildung. Der Abschluss als staatlich anerkannte Erzieherin oder staatlich anerkannter Erzieher kann auf verschiedenen Wegen erlangt werden. Die Regelungen und Möglichkeiten unterscheiden sich je nach Bundesland, grundsätzlich gibt es aber folgende Optionen:
Schulische Ausbildung
Der klassische Weg ist eine schulische Ausbildung. Dabei besuchen Sie eine Berufsschule und absolvieren Praktika in Kindertagesstätten und ähnlichen Einrichtungen. Sie gelten aber offiziell nicht als bei der Einrichtung angestellt, sondern sind Schüler.
- Wie lange dauert die Ausbildung zur Erzieherin: Im Regelfall dauert die schulische Ausbildung drei Jahre, es gibt aber unter Umständen auch die Möglichkeit, die Ausbildung bereits nach zwei Jahren abzuschließen (zum Beispiel, wenn Sie vorher bereits die Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten oder einen ähnlichen Ausbildungsgang abgeschlossen haben).
- Welchen Schulabschluss braucht man als Erzieher? Im Normalfall wird ein Abitur vorausgesetzt, wenn Sie aber beispielsweise eine Ausbildung als sozialpädagogischer Assistent mitbringen oder praktische Vorerfahrungen haben, kann von dieser Vorgabe abgesehen werden.
Die schulische Ausbildung hat den Nachteil, dass Sie in der Regel kein Ausbildungsgehalt bekommen. Dafür haben sie aber reguläre Schulferien und andere Vorteile, die Schüler genießen.
Duale Ausbildung
Lange Zeit gab es ausschließlich die schulische Ausbildung. Durch den eklatanten Fachkräftemangel (2024 fehlten bundesweit etwa 125.000 Fachkräfte in der Kinderbetreuung) wurden aber neue Modelle entwickelt und Baden-Württemberg hat 2012 als erstes Bundesland die sogenannte praxisintegrierte Erzieherausbildung eingeführt. Viele andere Bundesländer folgten dem Vorbild aus dem Südwesten und schufen ebenfalls eine solche Ausbildungsform.
- Welchen Schulabschluss braucht man als Erzieherin in dualer Ausbildung? Häufig reicht für den Zugang zur dualen Ausbildung die mittlere Reife.
- Wie lange dauert die Ausbildung zum Erzieher dual? Im Normalfall drei Jahre.
Die duale Ausbildung hat den Vorteil, dass Sie ein Ausbildungsgehalt bekommen und damit finanziell unabhängig von der Unterstützung Dritter sind. Dafür schließen Sie einen regulären Ausbildungsvertrag mit der Einrichtung ab und sind an reguläre Urlaubsregelungen u.Ä. gebunden.
Wo Erzieher arbeiten können
Wir haben bereits anklingen lassen, dass sich das Einsatzgebiet von Erziehern keineswegs nur auf den Kindergarten beschränkt. Also, wo kann man als Erzieher arbeiten?
- In der Familienhilfe oder dem familienentlastenden Dienst.
- In Jugendzentren und anderen Jugendeinrichtungen.
- In Kindergärten.
- In der Krippe.
- Als Tageseltern in Privathaushalten.
- Im Hort und in der Ganztagsschule.
- Als Schulbegleitung in einer Schule.
- Im Kinder- und Jugendheim.
- Als Individualbegleiter.
Das sind nur einige Bereiche, in denen Sie als Erzieher arbeiten können. Durch Zusatzqualifikationen wie Erlebnispädagoge oder ähnliche Titel können Sie sich weitere Berufsfelder erschließen und die Auswahl an verschiedenen Stellen für Erzieher ist groß. Außerdem werden viele Stellen, die eigentlich studierten Sozialpädagogen vorbehalten wären, aufgrund des Fachkräftemangels an Erzieher vergeben.

Gehalt als Erzieher 2026 – Was man verdienen kann
Unseren Berechnungen zufolge liegt das deutschlandweite Durchschnittsgehalt für Erzieher derzeit bei 39.905 Euro brutto im Jahr. Dieser Wert entspricht 3.325 Euro im Monat. Während Erzieher früher ein eher schlecht bezahlter Beruf war, wurden also in den letzten Jahren deutlich mehr finanzielle Anreize geschaffen, um offene Stellen zu besetzen und mehr junge Menschen zu motivieren, eine Ausbildung als Erzieherin zu absolvieren.
Tarifgehälter im öffentlichen Dienst (TVöD SuE)
Wie für viele andere Berufsgruppen gibt es auch für Erzieherinnen und Erzieher Tarifverträge. Der für Erzieher normalerweise geltende Tarifvertrag ist der “Tarifvertrag für den Sozial- und Erziehungsdienst (TVöD SuE)“. Im öffentlichen Dienst und somit in den meisten kommunalen Einrichtungen werden Sie normalerweise entsprechend diesen Vereinbarungen bezahlt. Je nach Berufserfahrung liegt das Gehalt dann (bei der typischen Einordnung in die Besoldungsgruppen 8a oder 8b) zwischen 3.413,85 und 5.049,51 Euro brutto im Monat. Eine Bezahlung nach Tarifvertrag ist damit finanziell oft attraktiv.
Unterschiede nach Erfahrung, Bundesland und Träger
Es gibt einige Faktoren, die das Gehalt beeinflussen:
- Berufserfahrung: Mit mehr Berufserfahrung können Sie höhere Gehälter generieren, Berufseinsteiger werden hingegen in der Regel weniger gut bezahlt.
- Regionale Faktoren: Das Gehalt bei privaten Einrichtungen ohne Tarifbindung unterscheidet sich je nach Betriebsstandort. Der größte Unterschied liegt weiterhin zwischen den ostdeutschen und den westdeutschen Bundesländern. Im Westen verdienen Sie durchschnittlich mehr als im Osten. Zusätzlich sind die Durchschnittsgehälter in Süddeutschland höher als im Norden und in Großstädten wird mehr bezahlt als auf dem Land.
- Träger: Je nachdem, bei welchem Träger oder welcher Einrichtung Sie angestellt sind, variieren Gehälter und Konditionen. Wenn Sie die Stellenangebote Erzieherin in der Nähe studieren, achten Sie daher darauf, welcher Träger hinter dem Angebot steht und erfragen Sie ggf. die konkreten Bedingungen.
Die Verdienstmöglichkeiten unterscheiden sich teilweise erheblich. Wenn ein hohes Einkommen Ihnen wichtig ist, lohnt es sich, die konkreten Angebote zu vergleichen und dementsprechend einen Arbeitgeber zu wählen, der Ihnen ein gutes Gehalt bietet.
Arbeitsmarkt und Jobchancen für Erzieher
Erzieher werden vielerorts dringend gesucht und es gibt nach wie vor einen großen Fachkräftemangel in der Branche. Das führt dazu, dass Sie als Erzieher im Normalfall sehr schnell eine Stelle finden und oft eine Auswahl zwischen verschiedenen Angeboten haben. Männer sind in der Branche übrigens immer noch in der deutlichen Minderheit. 2022 waren circa 7,9 Prozent des pädagogischen Kita-Personals männlich. Der Anteil an Männern nimmt zwar zu, ist aber weiterhin gering. Auch und vielerorts gerade als Mann haben Sie damit beste Berufsaussichten, denn 98 Prozent des Fachpersonals in Kitas und Horten wünscht sich mehr männliche Beschäftigte. Natürlich sind aber auch Frauen weiterhin willkommen und finden in der Regel eine attraktive Stelle.
Finden Sie die Position, die am besten zu Ihnen passt
Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten
Als Erzieher haben Sie verschiedene Möglichkeiten, um sich beruflich weiterzuentwickeln und die Karriereleiter hinaufzuklettern. Folgende Optionen stehen Ihnen beispielsweise frei:
- Sie können Sozialpädagogik, soziale Arbeit oder einen vergleichbaren Studiengang belegen. Damit qualifizieren Sie sich für weitere Stellen und haben bessere Chancen, eine Führungsposition angeboten zu bekommen.
- Sie können die Leitung einer Einrichtung übernehmen. Damit sind Sie in der Regel eher organisatorisch tätig, weniger operativ im Tagesgeschäft. Die Gehälter steigen aber natürlich mit zunehmender Verantwortlichkeit an.
- Sie können in den heilpädagogischen Bereich wechseln und mit Menschen mit einer Behinderung arbeiten. Normalerweise brauchen Sie hierfür eine Zusatzqualifikation.
- Sie können in beratender Funktion tätig werden und Einrichtungen bei der Einführung und Umsetzung von pädagogischen Konzepten oder in finanziellen Fragen unterstützen.
Als gelernter Erzieher haben Sie zahlreiche Möglichkeiten, sich weiterzubilden und in andere Positionen zu wechseln. Wenn Sie sich hingegen entscheiden, weiterhin die Tätigkeit als Erzieher auszuüben, wartet ebenfalls ein abwechslungsreicher und interessanter Berufsalltag auf Sie. Wir wünschen Ihnen jedenfalls viel Erfolg und alles Gute für Ihre berufliche Zukunft und versichern Ihnen, dass Sie als gelernter Erzieher bei Jooble fast immer eine passende Stelle finden werden!