Der Durchschnittsverdienst in Deutschland lag 2024 laut Statistiken bei 62.235 Euro, wobei der Median-Bruttoverdienst 52.159 Euro betrug. Bei welcher Summe liegt Ihre Gehaltsvorstellung? Es ist nicht immer leicht, eine realistische Gehaltsvorstellung zu entwickeln und vielleicht sogar noch schwieriger ist es, die richtige Antwort zu geben, wenn Sie im Rahmen einer Bewerbung Ihren Gehaltswunsch angeben sollen. Damit Sie sich nicht unter Wert verkaufen oder wegen unrealistischer Gehaltsvorstellungen frühzeitig vom Bewerbungsprozess ausgeschlossen werden, helfen wir Ihnen heute dabei, Ihren Marktwert ausfindig zu machen und Ihren Gehaltswunsch entsprechend zu formulieren.
Warum die richtige Gehaltsvorstellung so wichtig ist
Bevor Sie Ihre Gehaltsvorstellung formulieren können, müssen Sie wissen, was Sie verlangen können und was nicht. Eine weitreichende Kenntnis über Ihren Marktwert hat folgende Vorteile:
- Sie werden als professionelle und realistische Verhandlungspartner wahrgenommen. Wenn Sie ein zu niedriges Gehalt ansetzen, werden Sie möglicherweise weniger verdienen als ähnlich qualifizierte Kollegen. Wenn Sie hingegen zu hohe Forderungen stellen, werden Sie oft frühzeitig von dem Bewerbungsverfahren ausgeschlossen.
- Wenn Sie einen realistischen Gehaltswunsch formulieren, zeigt das, dass Sie Kenntnisse über die Branche mitbringen und Ihren Wert einschätzen können. Das hinterlässt einen informierten und professionellen Eindruck.
Bei einer Gehaltsverhandlung geht es darum, einen Mittelwert zu finden. Natürlich ist es aus Arbeitnehmersicht attraktiv, ein möglichst hohes Gehalt zu generieren, während Arbeitgeber bei den Personalkosten sparen möchten. Je besser Sie Ihren Mehrwert und die branchenüblichen Gehälter kennen, desto besser können Sie verhandeln.
Gehaltswunsch angeben: Wie Sie Ihren Marktwert ermitteln
Es gibt verschiedene Faktoren, die einen Einfluss auf die gezahlten Löhne haben. Außerdem gibt es Möglichkeiten, Informationen über die Durchschnittsgehälter in einer Branche zu bekommen. Die wichtigsten Quellen zum Ermitteln der branchenüblichen Gehälter sind:
- Tarifverträge. In Branchen, wo es einen Tarifvertrag gibt, wird in der Regel auch der darin vereinbarte Lohn ausbezahlt. Informieren Sie sich also vorab, ob es eventuell branchenweite Vereinbarungen gibt.
- Jobportale wie Jooble. Bei Jooble finden Sie eine Übersicht über die durchschnittlich gezahlten Löhne für einen bestimmten Job. Nutzen Sie diese Anhaltspunkte und informieren Sie sich vorab, was Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen.
- Das Statistische Bundesamt stellt Informationen zur Verfügung, die Ihnen helfen, Durchschnittsgehälter unter Einbeziehung individueller Faktoren zu berechnen.
Bei der Formulierung der Gehaltsvorstellung sollten Sie sich im Regelfall grob an den Durchschnittswerten orientieren, auch wenn es immer attraktiv ist, den oberen Bereich anzustreben.
Regionale Faktoren
Die durchschnittlich gezahlten Gehälter unterscheiden sich von Region zu Region. Besonders signifikant ist in Deutschland das Ost-West-Gefälle. Das Statistische Bundesamt geht 2024 von einem Unterschied von jährlich 13.375 Euro brutto (20,9 Prozent) zugunsten der westdeutschen Arbeitnehmer aus. Außerdem werden in Großstädten meist höhere Gehälter gezahlt, als im ländlichen Bereich und im Süden der Republik ist der Lohn oft höher, als im Norden. Sollten Sie aus beruflichen Gründen einen Umzug in Betracht ziehen, beachten Sie bitte, dass auch die Lebenshaltungskosten, vor allem in puncto Miete, stark voneinander abweichen. In München beispielsweise können oft hohe Löhne generiert werden, die Mietkosten liegen aber durchschnittlich auch bei über 22 Euro pro Quadratmeter.
Betriebsgröße
Großunternehmen (mehr als 500 Mitarbeiter) zahlen statistisch in aller Regel höhere Gehälter als klein- und mittelständische Firmen. Durchschnittlich liegt die Abweichung im Bereich von zehn Prozent; je nach Branche können diese Werte aber abweichen.

Gehaltsvorstellung in Bewerbung nach Kandidatenprofil
Neben den betrieblichen und regionalen Faktoren spielt bei der Gehaltsfrage natürlich auch der Bewerber selbst eine große Rolle. Folgende Faktoren beeinflussen, welche Gehaltsvorstellung die Bewerbung realistisch ist:
- Berufserfahrung. Die Gehaltsvorstellung Berufseinsteiger bzw. Gehaltsvorstellung Quereinsteiger sollte niedriger sein als die Gehaltsvorstellung Senior. Grundsätzlich gilt, dass die Löhne steigen, je mehr Berufserfahrung Sie mitbringen.
- Spezialisierungsgrad und Ausbildungsstand. Wenn Sie beispielsweise einen Meister-Titel haben, können Sie höhere Löhne veranschlagen, und zusätzliche Qualifikationen steigern den Marktwert.
Führen Sie alle Faktoren, die für Sie sprechen, auf. Wenn Sie einen besonders hohen Ausbildungsstand und viel Berufserfahrung mitbringen, sollten Sie unbedingt den oberen Bereich der üblichen Gehaltsspanne anpeilen.
Wann und wie Sie Ihre Gehaltsvorstellung in Bewerbung angeben
Es ist grundsätzlich zwischen zwei Szenarien zu unterscheiden, wenn Sie Ihre Gehaltsvorstellung in der Bewerbung angeben.
- In der Stellenanzeige wird explizit nach Ihrer Gehaltsvorstellung gefragt.
- In der Stellenanzeige wird nicht explizit nach Ihrer Gehaltsvorstellung gefragt.
Daraus ergeben sich zwei ganz unterschiedliche Vorgehensweisen.
Gehaltsvorstellung im Anschreiben formulieren
Wenn Sie im Stellenangebot aufgefordert werden, Ihre Gehaltsvorstellungen zu nennen, sollten Sie dies auch tun. Vielfach führt eine fehlende Angabe in diesen Fällen nämlich dazu, dass Sie aus dem Bewerbungsprozess ausscheiden. Wenn Sie keine Angaben machen möchten, begründen Sie dies höflich und sachlich. Dennoch empfehlen wir Ihnen, die Angaben zu machen, um keine unnötige Absage zu riskieren.
Manchmal werden vom Unternehmen vorgefertigte Formulare bereitgestellt, die den Gehaltswunsch abfragen. In diesem Fall sollten Sie dieses Feld ausfüllen. Häufiger jedoch sollen Sie Ihre Gehaltsvorstellung im Anschreiben formulieren. Grundsätzlich sind dabei sowohl feste Summen als auch Gehaltsspannen zulässig. Eine Gehaltsspanne gibt Ihnen allerdings häufig mehr Verhandlungsspielraum und ist in vielen Fällen die sinnvollere Wahl. Bei der Bewerbungsschreiben-Gehaltsvorstellung sollten Sie immer Bruttosummen nennen, keine Nettogehälter, da Nettogehälter je nach Steuerklasse und anderen Faktoren unterschiedlich hoch ausfallen können, während Bruttosummen allgemein gültig sind.
In Stellenausschreibung wird nicht nach Gehaltsvorstellung gefragt
Wenn in der Stellenanzeige nicht nach Ihren Gehaltsvorstellungen gefragt wird, sollten Sie im Regelfall keine Gehaltsvorstellungen formulieren. In diesem Fall eignet sich das persönliche Bewerbungsgespräch normalerweise besser, um über den Lohn zu sprechen. Machen Sie vorher Ihren Mehrwert für das Unternehmen deutlich und belegen Sie ihn, wenn möglich, anhand von nachvollziehbaren Zahlen und messbaren Erfolgen.
Von der Bewerbung Gehaltsvorstellung zur Verhandlung: So führen Sie das Gespräch
Wenn Ihre Bewerbung Gehaltsvorstellung in einem realistischen Rahmen liegt und der Arbeitgeber Ihnen ein konkretes Angebot unterbreiten möchte, kommt es früher oder später zu konkreten Gehaltsverhandlungen. Achten Sie dabei auf folgende Punkte:
- Für das Unternehmen ist der Mehrwert entscheidend, den Ihre Arbeit für den Betrieb hat. Verweisen Sie daher auf belastbare und nachvollziehbare Vorteile, die der Arbeitgeber durch Sie hat. Ideal sind erzielte Erfolge, die Sie anhand von Zahlen belegen können.
- Treten Sie höflich, aber bestimmt auf. Zeigen Sie, dass Sie Ihren Marktwert kennen, und nutzen Sie zum Beispiel branchenübliche Durchschnittsgehälter als Referenzwerte, wenn das Unternehmen Ihnen weniger als den Richtwert anbietet. Sollte das Angebot bereits über dem normalen Rahmen liegen, verweisen Sie lieber nicht darauf.
- Konzentrieren Sie sich nicht ausschließlich auf das Bruttogehalt, sondern beziehen Sie auch andere Leistungen wie zum Beispiel einen Dienstwagen, eine betriebliche Altersvorsorge, die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten oder Ähnliches in Ihre Überlegungen mit ein.
- Versuchen Sie bei einem Jobwechsel eine Gehaltssteigerung von zehn bis 20 Prozent anzustreben. Das ist in Deutschland ein üblicher, grober Richtwert.
- Legen Sie für sich eine Wunschsumme und eine Schmerzgrenze fest. Wenn die Schmerzgrenze unterboten wird, sagen Sie ggf. lieber ab, als sich unter Wert zu verkaufen oder am Ende schon mit einem schlechten Gefühl in den neuen Job zu starten. Bei Jooble finden Sie in dem Fall, dass Sie sich mit dem Arbeitgeber nicht einig werden, viele weitere tolle Jobangebote, die möglicherweise besser zu Ihren Vorstellungen passen.
- Arbeiten Sie bevorzugt mit Gehaltsspannen, nicht mit festen Gehaltsangaben. Setzen Sie den oberen Bereich der Spanne knapp über Ihrer Wunschsumme an, den unteren Bereich knapp über der persönlichen Schmerzgrenze.
- Bereiten Sie sich auf die Verhandlungen vor und üben Sie das Gespräch vorab. So machen Sie einen informierten und sicheren Eindruck.
- Wenn Sie keinen neuen Job antreten, sondern innerhalb eines bestehenden Arbeitsverhältnisses eine Gehaltserhöhung anstreben, gelten andere Gehaltsverhandlungstipps für Arbeitnehmer. Argumentieren Sie in diesem Fall mit erzielten Erfolgen oder nutzen Sie das Ende einer Fortbildung oder der Probezeit als Argument. Auch dann, wenn Sie zusätzliche Aufgaben oder Verantwortungen übernommen haben, ist ein guter Zeitpunkt, um das Gehalt neu zu verhandeln.
Bleiben Sie im Rahmen der Verhandlungen immer ruhig und höflich. Auch wenn nicht das gewünschte Ergebnis erzielt werden kann, ist das kein Drama. In diesem Fall steht es Ihnen natürlich frei, die Verhandlungen zu beenden. Bedenken Sie jedoch, dass Sie sich in einem professionellen Umfeld befinden und es keinen Anlass für persönliche Konfrontation gibt.
Gehaltsvorstellung Bewerbung formulieren: typische Fehler
Es gibt einige typische Fehler, die Sie beim Formulieren der Gehaltsvorstellungsbewerbung verhindern sollten. Dazu gehört:
- Stellen Sie keine unrealistischen Forderungen, die Sie nicht begründen können.
- Formulieren Sie Ihre Gehaltswünsche immer in Bruttoangaben, nie in Nettosummen.
- Seien Sie nicht zu passiv und setzen Sie keine zu niedrigen Werte an.
- Sprechen Sie nicht von dem, was Sie gerne hätten, sondern belegen Sie, warum Sie es wert sind.
- Treten Sie nicht unsicher auf.
Wenn Sie eine realistische Wunschsumme formulieren und Ihren Marktwert kennen und belegen können, brauchen Sie nicht unsicher zu sein oder sich dafür zu schämen, dass Sie Ansprüche stellen. Ein Arbeitsverhältnis sollte beide Seiten zufriedenstellen und es gibt keinen Zwang dafür, dass sich beide Seiten einig werden, wenn Ihre Vorstellungen von denen des Arbeitgebers abweichen.
Finden Sie die Position, die am besten zu Ihnen passt
Schnell-Checkliste
Anhand folgender Faktoren können Sie prüfen, ob Ihre Gehaltsvorstellungen stimmig sind und zur Marktlage passen:
- Entspricht Ihre Gehaltsvorstellung ungefähr den branchenüblichen Werten?
- Passt Ihr Lohnwunsch zu den regionalen Bedingungen und der Betriebsgröße?
- Haben Sie den entsprechenden Ausbildungsstand und bringen Sie ggf. Zusatzqualifikationen mit?
- Können Sie Ihren Mehrwert für das Unternehmen sachlich begründen und passt er zu Ihren Vorstellungen?
Wenn Sie merken, dass Sie Ihren Gehaltswunsch entsprechend diesen Faktoren zu niedrig angesetzt haben, korrigieren Sie ihn nach oben. Andernfalls kann es sinnvoll sein, ihn nach unten hin anzupassen, um eine Absage zu verhindern.
FAQ
Wenn in der Stellenausschreibung konkret nach Ihrem Gehaltswunsch gefragt wird, nennen Sie diesen im Normalfall in Ihrem Bewerbungsschreiben mit Gehaltsvorstellung. In der Regel eignet sich dafür der letzte oder vorletzte Satz am besten. Wenn es ein Bewerbungsformular gibt, tragen Sie den Wert in das dafür vorgesehene Feld ein. Wenn in der Stellenausschreibung nicht nach Ihrem Gehaltswunsch gefragt wird, ist das Vorstellungsgespräch meistens der passende Moment, um die Frage nach dem Lohn zu klären.
Wählen Sie eine kurze und sachliche Formulierung, die höflich und doch bestimmt wirkt. Eine mögliche Formulierung könnte zum Beispiel so lauten: “Meine Gehaltsvorstellung liegt zwischen XY und XY.”
Bereiten Sie sich gut auf die Gehaltsverhandlung vor und informieren Sie sich darüber, was für Gehälter in der Branche üblicherweise gezahlt werden. Machen Sie sich Ihre Vorzüge bewusst und spielen Sie die Verhandlung für sich durch. Nutzen Sie Atemtechniken und andere Methoden, um sich in der Situation selbst zu beruhigen, wenn nötig.