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Was ist ein Prokurist? Aufgaben, Haftung und Weg in die Führung

Liliia Sydor
Liliia Sydor, Content Manager, Redakteur
· 7 min

Ein Prokurist bzw. eine Prokuristin bekommt von seinem Unternehmen weitreichende Befugnisse, um dieses nach außen zu vertreten. Es handelt sich also um eine komplexe und verantwortungsvolle Position. Was machen Prokuristen aber eigentlich genau? Was sind die Prokurist Voraussetzungen? Was darf ein Prokurist und was darf ein Prokurist nicht? Das alles und vieles Weitere erfahren Sie in unserem heutigen Artikel. 

Was ist ein Prokurist und welche Rolle hat er im Unternehmen?

Was ist ein Prokurist? Ein Prokurist ist eine Person, die das Unternehmen innerhalb eines festgelegten Rahmens nach außen vertreten darf. Maßgeblich ist die Prokura. Was ist Prokura? Eine Prokura ist eine handelsrechtliche Vollmacht, die im HGB (Handelsgesetzbuch) verankert ist. Die Prokura berechtigt den Prokuristen dazu, sein Unternehmen in vielen geschäftlichen Situationen rechtswirksam zu vertreten. Welche Geschäftsbereiche davon betroffen sind, hängt von der jeweiligen Vereinbarung ab und ist individuell, auch wenn es einen gesetzlichen Rahmen gibt, der im Normalfall verbindlich gilt. Die internen Regelungen wirken sich in der Regel nur wenig auf die externen Geschäftspartner aus. Häufig sind Prokuristen berechtigt, im Namen des Unternehmens Verträge abzuschließen oder Verhandlungen zu führen. Das Ziel dahinter ist, dass ein Unternehmen handlungsfähig bleibt, auch wenn die Geschäftsführung nicht jede Entscheidung selbst treffen und unterzeichnen kann. Der Beruf des Prokuristen ist damit ein sehr verantwortungsvoller, denn die Befugnis, beispielsweise Verträge abzuschließen, kann massive Auswirkungen auf die Entwicklung eines Unternehmens haben. 

Unterschied zwischen Prokurist, Geschäftsführer und Handlungsbevollmächtigten

Häufig gehören Prokuristen zum erweiterten Kreis der Geschäftsführung und in der Regel bringen sie viel Erfahrung mit. Eine Prokura wird im Normalfall nur an eine Person erteilt, die das volle Vertrauen der Geschäftsführung genießt und ihre Fähigkeiten und ihre Loyalität bereits unter Beweis gestellt hat. Auch wenn ein Prokurist in einem Unternehmen damit eine wichtige Rolle einnimmt, ist er klar vom Geschäftsführer abzugrenzen. Der Geschäftsführer trägt die Gesamtverantwortung für ein Unternehmen und leitet das ganze operative Geschäft. Ein Prokurist hingegen handelt im Auftrag des Unternehmens und darf ausschließlich im vorgegebenen Rahmen der Prokura eigene Entscheidungen treffen. Ebenfalls klar abzugrenzen sind Prokuristen von Handelsbevollmächtigten. Handelsbevollmächtigte dürfen bestimmte, festgelegte Handlungen im Namen des Unternehmens durchführen, während ein Prokurist über Vollmachten in fast allen wichtigen Geschäftsaspekten verfügt. 

  • Darf ein Prokurist Handlungsvollmacht erteilen? Ja, in der Regel schon. Er darf allerdings keine Prokura erteilen. 
  • Wer darf Prokura erteilen? Ausschließlich die gesetzlichen Vertreter eines Unternehmens. Bei einer GmbH wäre dies beispielsweise der Geschäftsführer. 

Zusammengefasst trägt ein Prokurist also mehr Verantwortung und hat mehr Handlungsspielraum als ein Handlungsbevollmächtigter, ist aber dem Geschäftsführer unterstellt und trifft keine grundlegenden Entscheidungen über die Unternehmensausrichtung. 

Welche Aufgaben übernimmt ein Prokurist im Arbeitsalltag?

Welche Aufgaben ein Prokurist tatsächlich übernimmt, hängt immer von dem konkreten Unternehmen und der erteilten Prokura, der Branche, der Unternehmensgröße und anderen Faktoren ab. Gerade in mittelständischen Unternehmen haben sie aber oft eine zentrale Rolle und fungieren als Bindeglied zwischen der Gesamtausrichtung, die von der Geschäftsführung festgelegt wird, und dem tatsächlichen operativen Geschäft. Typische Aufgaben, die einem Prokuristen zufallen können sind zum Beispiel: 

  • Führen von Verhandlungen mit Lieferanten, Geschäftspartnern oder Kunden. 
  • Koordination und Führung von Personal. 
  • Umgang mit und Vertretung vor Behörden. 
  • Koordination von Projekten. 

Bei kleineren oder mittelständischen Unternehmen sind Prokuristen oft auch in strategische Ausrichtungsfragen involviert und beraten und unterstützen die Geschäftsführung direkt bei zentralen Fragen. 

Welche Rechte hat ein Prokurist – und wo liegen die Grenzen?

Prokuristen haben eine sehr vertrauensvolle Aufgabe und sind mit einer großen Menge an Befugnissen und Rechten ausgestattet. Diese können variieren, umfassen aber oft: 

  • Unterzeichnen von Verträgen. 
  • Einstellung und Kündigung von Personal. 
  • Gerichtliche Vertretung des Unternehmens. 
  • Aufnahme von Krediten. 

Wenn ein Prokurist im Namen der Geschäftsführung handelt, unterzeichnet er Verträge im Regelfall mit dem Vermerk „ppa“. Das steht für “Per procura autoritate” und drückt aus, dass hier ein Prokurist im Namen des Unternehmens handelt. 

Was dürfen Prokuristen nicht?

Was dürfen Prokuristen nicht? Ein Prokurist ersetzt nicht die Geschäftsführung und hat damit nicht die vollen Rechte, die eine solche Position beinhaltet. Prokuristen dürfen beispielsweise nicht selbst eine Prokura erteilen, das Geschäft auflösen, einen Insolvenzantrag stellen oder die Gesellschaftsverträge auf eigene Faust ändern. Ein Sonderfall stellt übrigens der Immobilienkauf dar. Ein Prokurist kann zwar im Regelfall nicht eigenständig Immobilien im Namen des Unternehmens erwerben und veräußern, entgegen vieler Informationen, die im Internet kursieren, ist eine solche Transaktion aber auch nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Prokura diese Art von Geschäften ausdrücklich mit einbezieht. Es handelt sich somit um eine Sonderbefugnis, die individuell erteilt werden muss und den gesetzlichen Rahmen überschreitet. 

Haftung als Prokurist: Welche Risiken sollten Sie kennen?

Mit den Möglichkeiten und Befugnissen, die ein Prokurist bekommt, gehen natürlich auch Verpflichtungen einher. Ein Prokurist haftet zwar nicht grundsätzlich gegenüber Vertragspartnern, kann aber haftbar gemacht werden, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Dazu gehören: 

  • Der Prokurist hat gegen geltendes Recht verstoßen. 
  • Es liegt eine vorsätzliche Pflichtverletzung oder eine arglistige Täuschung vor. 
  • Der Prokurist hat grob fahrlässig gehandelt. 
  • Der Prokurist hat eigenmächtig entgegen der Prokura gehandelt. 

In diesen Fällen kann der Prokurist mitunter nicht nur gegenüber dem Vertragspartner haften, sondern auch vom eigenen Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden. Hierbei spricht man von der sogenannten “Innenhaftung”. Das Unternehmen kann unter Umständen Schadensersatzansprüche gegenüber dem Prokuristen geltend machen, wenn schwere Pflichtverletzungen vorliegen. Sie sollten als Prokurist Ihre Aufgabe daher ernst nehmen und eine solche Rolle nur annehmen, wenn Sie in der Lage sind, sie vollständig auszufüllen. Außerdem ist es, auch um mögliche Haftungen auszuschließen, empfehlenswert, als Prokurist jede Handlung und Entscheidung zu dokumentieren und ggf. sachlich begründen zu können, warum eine Transaktion getätigt wurde. Bei allen anderen Haftungsansprüchen haftet weiterhin das Unternehmen bzw. der Geschäftsführer, in dessen Namen Sie als Prokurist agieren. 

Wie wird man Prokurist?

Prokurist ist kein Ausbildungsberuf oder Studiengang und Sie können sich dementsprechend nicht explizit für diese Rolle qualifizieren. Sie können sich in dieser Hinsicht die Rolle eher wie die eines Geschäftsführers vorstellen. Sie studieren vielleicht Betriebswirtschaft, Jura oder etwas Vergleichbares und werden aufgrund guter Leistungen und fachlicher Eignung zur Geschäftsführung berufen, haben aber nie einen expliziten Ausbildungstitel als Geschäftsführer erworben. Eine Prokura wird im Regelfall einer Person erteilt, die im Unternehmen bereits eine Führungsposition bekleidet hat und sich durch Fachkenntnis, Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz hervorgetan hat. Häufig ist die Prokura dann ein Ausdruck der Anerkennung für jahrelange gute Arbeit. Typischerweise kommen Prokuristen aus Bereichen wie dem Projektmanagement, der kaufmännischen Leitung, dem Controlling oder dem Personalmanagement. Die tatsächliche Entscheidung darüber, wer eine Prokura erhält, trifft letztlich aber die Geschäftsführung und es gibt keinen bestimmten Ausbildungsstand, der vom Gesetz vorgeschrieben wird, um Prokurist werden zu können. 

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Prokura als Karriereschritt: Lohnt sich die zusätzliche Verantwortung?

Viel Verantwortung bedeutet häufig auch ein hohes Gehalt und ein gesteigertes Ansehen innerhalb des Unternehmens. Prokuristen haben durch die Prokura großen Einfluss und ein hohes Maß an Entscheidungsbefugnissen in einem Unternehmen und das wirkt sich natürlich sowohl auf das Gehalt, als auch auf die weitere Karriereentwicklung positiv aus. Prokuristen werden häufig direkt in strategische Entscheidungsfindungen eingebunden und gehören somit in vielen Unternehmen zur erweiterten Unternehmensführung. Die Erteilung der Prokura ist zudem ein Zeichen dafür, dass Sie gute Arbeit leisten und ein großes Vertrauen genießen. Ein Prokurist kann zudem auch ein geeigneter Zwischenschritt sein, um noch weiter aufzusteigen und unter Umständen langfristig sogar selbst zum Geschäftsführer ernannt zu werden. Sie haben als Prokurist jedenfalls die Möglichkeit, Ihr wirtschaftliches Geschick und Ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Die Ernennung zum Prokuristen ist damit attraktiv für alle diejenigen, die gerne eine größere Verantwortung innerhalb eines Unternehmens übernehmen möchten und unter Beweis stellen wollen, dass sie sich als Führungspersonal eignen. Wenn diese Aufgabe interessant für Sie erscheint, schauen Sie sich gerne bei Jooble nach einem passenden Stellenangebot um, denn auch wenn die Rolle als Prokurist oft intern besetzt wird, finden Sie bei Jooble auch offene Ausschreibungen und Jobangebote!