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Workation & mobiles Arbeiten – Rechtliche Tipps für das Büro am Strand

Liliia Sydor
Liliia Sydor, Content Manager, Redakteur
· 8 min

Während andere an einem regnerischen Novembertag im Büro sitzen und sich nichts mehr wünschen als sich einfach die Decke über den Kopf zu ziehen, wartet auf Sie der thailändische Strand bei Durchschnittstemperaturen von 25 bis 32 Grad. Und das ganz, ohne dass Sie sich dafür Ihren ganzen Jahresurlaub nehmen müssen. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Mit Workation kann dieser schöne Traum wahr werden. Die Workation-Bedeutung, wie Workation rechtlich funktioniert und welche Workation-Jobs es gibt, erfahren Sie in diesem Artikel! 

Was bedeutet Workation eigentlich?

2023 boten etwa 15 Prozent der Arbeitgeber in Deutschland die Möglichkeit auf Workations an. Wenn Sie sich jetzt fragen: “Workation – was ist das?“, sind Sie hier goldrichtig, denn wir beginnen unseren heutigen Artikel mit einer Workation-Definition. Das Wort “Workation” setzt sich aus den englischen Begriffen “Work” und “Vacation” zusammen. Auf Deutsch bedeuten diese Begrifflichkeiten “Arbeit” und “Urlaub”. Eine Workation ist damit eine Mischform von Arbeit und Urlaub. Sie arbeiten also weiter regulär, dürfen Ihrer Tätigkeit aber für eine festgelegte Anzahl von Tagen vom Ausland aus nachgehen. 

Unterschied zwischen Homeoffice, mobilem Arbeiten und Workation

Mittlerweile sind flexible Arbeitsmodelle in Deutschland zum Alltag geworden. Waren vor der Corona-Pandemie Homeoffice und Co. oft nur eine Träumerei von Arbeitnehmern und progressiven Kräften, sind sie heute weit verbreitet. Dieser Umstand hat nicht nur Vorteile für Arbeitnehmer, sondern bietet auch Chancen für Arbeitgeber. Laut aktuellen Statistiken ist die Verfügbarkeit von flexiblen Arbeitsmodellen nämlich für 75 Prozent der Arbeitnehmer ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Unternehmens. Damit bietet ein solches Angebot Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels die Möglichkeit, Mitarbeiter zu gewinnen, ohne, dass es Mehrkosten nach sich zieht. Betrachten wir aber die gängigen Begriffe einmal im Detail und grenzen Workation Deutschland von mobilem Arbeiten und Homeoffice ab: 

Homeoffice:Mobiles Arbeiten: Workation: 
Das Homeoffice ist ein fester Arbeitsplatz im eigenen Zuhause. Sie müssen zwar nicht in einem Betriebsgebäude erscheinen, sind aber örtlich dennoch gebunden. Wenn Sie mobil arbeiten, können Sie in einem Café, Ihrer Wohnung oder einer anderen Wohnung arbeiten. Sie sind also örtlich nicht gebunden. Workation ist eine zeitlich begrenzte Form des mobilen Arbeitens, bei der Ihnen zugestanden wird, für einen bestimmten Zeitraum aus dem Ausland zu arbeiten.

Homeoffice ist damit also ortsgebunden, mobiles Arbeiten und Workations hingegen sind nicht auf das eigene Zuhause begrenzt. Häufig wird Arbeitnehmern das mobile Arbeiten im Inland zugestanden, während für die Arbeit aus dem Ausland Workation-Angebote genutzt werden müssen. Es kann aber auch abweichende Vereinbarungen geben. 

Warum Workations beliebt sind

Deutschland lag 2024 mit 112 Milliarden US-Dollar auf Platz drei der Völker mit den höchsten Tourismusausgaben. Das unterstreicht, dass Reisen eine der größten Leidenschaften der Deutschen ist. Früher war es oft schwierig, berufstätig zu sein und gleichzeitig etwas von der Welt zu sehen. Angebote wie Workation Arbeitgeber hingegen machen es möglich, auch längere Fernreisen zu unternehmen, ohne sich gleich eine berufliche Auszeit dafür nehmen zu müssen. 

Für wen dieses Arbeitsmodell realistisch funktioniert

Natürlich können nicht alle Arbeitnehmer Workations in Anspruch nehmen. Denn was ist eine Workation? Richtig, eine Arbeitsform, bei der die Tätigkeit von einem anderen Land bzw. einem betriebsfernen Ort ausgeübt werden kann und diese Definition schließt bereits viele Arbeitnehmer und Berufsgruppen aus. Wenn Ihre Arbeit nämlich stark ortsgebunden ist, sind Workations nicht möglich. Im produzierenden Gewerbe, wenn Sie soziale Tätigkeiten ausüben oder im Einzelhandel tätig sind, wird es kaum Workation-Arbeitgeber geben. Wenn Sie für die Ausübung Ihres Jobs hingegen nur einen Laptop und eine stabile Internetverbindung brauchen, haben Sie gute Aussichten, dass Sie von solchen Möglichkeiten profitieren können. IT-Mitarbeiter, Contencreator, Marketingmitarbeiter, Kundenberater und ähnliche Berufsgruppen kommen somit besonders häufig in den Genuss von Workations. 

Gibt es ein Recht auf Workation in Deutschland?

Nein, es gibt in Deutschland aktuell kein generelles Recht auf Workations. Workation-Anbieter ermöglichen ihren Angestellten freiwillig, dass sie für einen bestimmten Zeitraum vom Ausland aus arbeiten dürfen. Wenn Ihnen das Recht auf Workations allerdings im Arbeitsvertrag zugesichert wird oder es eine entsprechende Betriebsvereinbarung gibt, kann ein Anrecht darauf entstehen. Im Normalfall wird dieses Recht aber nicht pauschal gewährt, sondern es bedarf immer noch der Zustimmung des Arbeitgebers für einen konkreten Einzelfall, auch wenn Workations grundsätzlich gestattet sind. Außerdem wird normalerweise von Arbeitgeberseite aus festgesetzt, wie viele Arbeitstage pro Jahr maximal aus Deutschland absolviert werden können und welche Länder die Regelung umfasst bzw. ausschließt. 

Arbeitsrecht bei Workation – Welches Recht gilt im Ausland?

In den allermeisten Fällen gilt das deutsche Arbeitsrecht auch dann weiterhin, wenn Sie für einen begrenzten Zeitraum im Ausland sind. Bei längeren Aufenthalten kann aber auch das regionale Arbeitsrecht des Reiselandes greifen. In diesem Fall sind Arbeitszeitregelungen, Schutzvorschriften und Meldepflichten zu beachten. Aus diesem Grund beschränken Arbeitgeber die maximale Reisezeit auch in der Regel. So werden rechtliche Grauzonen vermieden. Wenn Sie hingegen zwar bei einem deutschen Unternehmen arbeiten, aber im Ausland leben, gelten in der Regel die Vorgaben des Landes, in dem Sie leben. 

Steuern und Sozialversicherung bei mobiler Arbeit im Ausland

Sie wissen jetzt “Was ist Workation?“, aber möglicherweise besteht noch eine Unsicherheit bezüglich des geltenden Steuerrechts und der Sozialversicherung. Bei kürzeren Aufenthalten in einem Drittland ist die Lage in der Regel klar. Solange Ihr Lebensmittelpunkt weiterhin in Deutschland ist (Indizien sind eine Meldeadresse und ein gewöhnlicher Aufenthalt von mindestens 183 Tagen im Jahr), sind Sie weiterhin in Deutschland steuerpflichtig. Bei Workation Europa sind Sie außerdem im Normalfall weiterhin in Deutschland sozialversichert. Sie sollten aber über eine A1-Bescheinigung verfügen, um Ihren Versicherungsstatus nachzuweisen. Diese belegt, dass Sie in Ihrem Heimatland sozialversichert sind, und verhindert doppelte Abgaben. In der Praxis sind diese Regelungen meistens durch die begrenzten Tage, die Ihnen für Workations zur Verfügung stehen, und durch die entsprechenden Vorkehrungen, die der Arbeitgeber trifft, nur theoretischer Natur und Sie brauchen sich bei kurzen Aufenthalten keine allzu großen Sorgen zu machen. 

Aufenthaltsrecht, Visa und praktische Risiken

Was bedeutet Workation im Sinne von Meldepflichten, Visa und Ähnlichem? 

Arbeiten innerhalb der EU 

Innerhalb der EU gilt das sogenannte Freizügigkeitsrecht. Dies ermöglicht es allen EU-Bürgern, in sämtliche EU-Staaten einzureisen, sich dort aufzuhalten und auch von da aus zu arbeiten. Bis zu einem Aufenthalt von drei Monaten bestehen keine weiteren rechtlichen Hürden, wobei lokale Meldepflichten grundsätzlich abweichend sein könnten. Bei längeren Aufenthalten greifen möglicherweise andere Regelungen und Sie müssen sich ggf. über die genauen Bestimmungen im betroffenen Land informieren. 

Arbeiten außerhalb von der EU

Außerhalb der EU gilt das Freizügigkeitsrecht nicht. Es kann damit bedeutend komplizierter sein, von dort aus zu arbeiten. Ein reguläres Touristenvisum umfasst nämlich nicht automatisch auch das Recht zu arbeiten. Hierfür können spezielle Visa verlangt werden, wobei es mittlerweile in vielen Ländern Digital-Nomad-Visa gibt. In der Praxis passiert Ihnen bei kurzen Workations in der Regel nicht viel, wenn Sie keinen örtlichen Bezug haben und an Ihrem Laptop für sich arbeiten; es kann aber theoretisch dazu kommen, dass Sie Bußgelder bezahlen müssen oder Ihnen sogar die Einreise erschwert oder verweigert wird. 

Datenschutz, IT-Sicherheit und Unternehmensrichtlinien

Sicherheitsrichtlinien von Unternehmen zum Schutz sensibler Daten gelten natürlich auch im Ausland. Wenn wir uns vor Augen halten, dass der deutschen Wirtschaft 2024 ein Gesamtschaden von circa 266 Milliarden Euro durch Cyberkriminalität entstanden ist, ist die Sicherheit einer der wichtigsten Aspekte im digitalen Alltag und im Ausland besteht in einigen Ländern ein erhöhtes Risiko. Folgende Voraussetzungen gelten daher häufig für Arbeitnehmer, wenn Sie aus dem Ausland arbeiten: 

  • Sie müssen ein VPN verwenden. 
  • Sie sollten keine öffentlichen WLAN-Netze für die Arbeit nutzen. 
  • Die Arbeitsmaterialien wie der Laptop müssen bestmöglich vor fremden Zugriffen geschützt werden. 
  • Mitunter ist der Zugriff auf bestimmte personenbezogene Daten aus dem Ausland eingeschränkt. 

Klären Sie bei Unsicherheiten mit Ihrem Arbeitgeber ab, wie Sie sich absichern und bestmöglich vor Datenpannen schützen können. Wenn möglich, arbeiten Sie bevorzugt mit einem LAN-Kabel und vermeiden Sie in besonders gefährdeten Ländern, sich in drahtlose Netze einzuwählen. 

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Checkliste für eine rechtssichere Workations

Zum Abschluss finden Sie eine Liste von Dingen, die Sie vor den Workations abklären sollten, um rechtlich zu 100 Prozent auf der sicheren Seite zu sein und den Aufenthalt stressfrei zu genießen: 

  • Holen Sie sich vor der Reiseplanung eine schriftliche Einverständniserklärung von Ihrem Arbeitgeber. Informieren Sie diesen im Zuge der Anfrage über das Reiseziel und die Reisedauer. Buchen Sie erst Flüge, Unterkünfte und Anderes, wenn Sie die Zustimmung von Ihrem Arbeitgeber haben.
  • Prüfen Sie gerade bei längeren Aufenthalten die Bestimmungen des jeweiligen Reiselands. Beantragen Sie ggf. ein entsprechendes Visum oder lassen Sie sich eine A1-Bescheinigung ausstellen. 
  • Stellen Sie sicher, dass es an Ihrem Reiseziel eine stabile Internetverbindung gibt. 
  • Klären Sie mögliche Fragen bezüglich der Datensicherheit und des Datenschutzes mit Ihrem Arbeitgeber ab. 
  • Sollten Sie einen längeren Aufenthalt planen, melden Sie sich ggf. ordnungsgemäß an und prüfen Sie die steuerlichen und sozialversicherungstechnischen Belange vor Ort. 

Jetzt bleibt uns zum Abschluss nur noch, Ihnen eine gute Reise zu wünschen und zu hoffen, dass dieser Artikel Ihre offenen Fragen beantworten konnte. Wenn Sie hingegen Lust auf Workations bekommen haben, Ihr aktueller Arbeitgeber diese Option aber nicht anbietet, finden Sie bei Jooble unzählige Stellenangebote, bei denen Workations zum Angebot gehören.