37 Prozent der Menschen finden laut einer Umfrage, dass das Bewerbungsfoto verzichtbar ist. Bei den jüngeren Generationen ist dieser Anteil besonders hoch. Allerdings sind Bewerbungsbilder aus der Sicht vieler Personaler weiterhin ein wichtiger Bestandteil Ihrer Bewerbungsmappe, auch wenn sie der Bewerbung nicht verpflichtend beigefügt werden müssen. Das Gute ist: Dank moderner Technik können Sie Bewerbungsfotos selber machen und müssen nicht mehr zwangsläufig Zeit und Geld in ein professionelles Shooting investieren. Wie Ihnen das ideale Bewerbungsfoto gelingt, worauf Sie dabei achten sollten und alles Weitere zu diesem Thema erfahren Sie in unserem heutigen Artikel.
Braucht man heute noch ein Bewerbungsfoto?
Es gibt keine gesetzliche Pflicht, Ihrer Bewerbung Bewerbungsfotos beizufügen. Allerdings ist es in Deutschland, anders als in vielen anderen Ländern, klassisch üblich, ein Foto für die Bewerbung beizulegen. Es ist zwar tatsächlich so, dass die Wichtigkeit von Bewerbungsfotos abgenommen hat, in der Praxis hängt aber diesbezüglich viel von der Branche ab, in der Sie tätig sind. Während im konservativen Bankenwesen beispielsweise viel Wert auf ein Foto gelegt wird und ein gepflegtes Äußeres eine Art Soft Skill darstellt, ist es in Tech-Unternehmen und Start-ups oft nicht notwendig, ein Lebenslauf-Foto beizufügen.
Wann ein Bewerbungsfoto sinnvoll ist – und wann man darauf verzichten kann
Machen wir uns nichts vor: Trotz der vielen Bemühungen, eine Gesellschaft zu schaffen, in der Diskrimierung keine Rolle mehr spielt, sieht die Praxis anders aus. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes meldete 2024 sogar eine Rekordmenge an Beratungsanfragen von Menschen, die sich aufgrund ihrer Nationalität oder Rasse, ihres Geschlechts oder wegen einer Behinderung benachteiligt fühlten. Natürlich kann nicht klar gesagt werden, ob es tatsächlich zu mehr Benachteiligung kommt oder diese nur öfter gemeldet oder subjektiv stärker wahrgenommen wird, trotzdem gibt es grundsätzlich benachteiligte Personengruppen. Außerdem gibt es auch klare Hinweise darauf, dass äußerliche Attraktivität eine Rolle bei der Bewerberauswahl spielt. Der erste Eindruck ist weiterhin entscheidend, gerade in einer Welt, in der wir viele Eindrücke zu verarbeiten haben. Dabei neigt der Mensch (und Personaler, obwohl geschult, stellen dahingehend keine große Ausnahme dar) zu extremen Urteilen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen nämlich, dass Urteile umso pauschaler ausfallen, je weniger Informationen uns tatsächlich vorliegen.
Wenn Sie also fürchten, dass bei Ihrer Bewerbung ein Foto dafür sorgen könnte, dass die selbige negativer betrachtet wird als ohne ein Bild Ihrer Person, können Sie darauf verzichten, eines beizulegen. Andererseits können diese Umstände auch zu Ihrem Vorteil genutzt werden und wenn Sie sich auf eine Führungsposition bewerben, ist ein Foto-Lebenslauf fast Pflicht. Außerdem können Sie durch ein gepflegtes, professionelles und ansprechendes Äußeres Extrapunkte sammeln, die Ihnen im Bewerbungsprozess helfen. Zusammengefasst kommt es bei der Frage, ob ein Bewerbungsfoto beigefügt werden sollte, also darauf an, wer Sie sind und auf was für eine Position Sie sich bewerben. Wenn Sie glauben, dass ein Bewerbungsfoto sich positiv für Sie auswirkt, sollten Sie eines beifügen. Wenn Sie annehmen, dass Ihnen eher ein Nachteil daraus entsteht, verzichten Sie auf das Foto. Wenn Sie allerdings ein Foto beifügen, sollte dieses professionell wirken und bestimmte Voraussetzungen erfüllen, die wir im weiteren Artikel näher vorstellen.
Bewerbungsfoto selber machen – Die wichtigsten Grundlagen
Früher waren gute Kameras teuer. Moderne Bewerbungsfotos können Sie dank der technologischen Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte hingegen guten Gewissens selber machen, ohne dass diese zwangsläufig amateurhaft wirken.
Smartphone oder Kamera: Reicht das für ein gutes Foto?
Hochwertige Smartphones verfügen heute über Kameras, die absolut ausreichend sind, um professionelle Bewerbungsfotos zu schießen. Die Umsetzung ist allerdings entscheidend. Wenn Sie Ihr Bewerbungsfoto nicht in einem spezialisierten Fotostudio machen, sondern den privaten Rahmen bevorzugen, sollten Sie auf folgende Faktoren achten:
- Sie brauchen eine Kamera oder ein Smartphone mit der entsprechenden Qualität.
- Die Auflösung sollte hoch genug sein.
- Das Bild muss gut ausgeleuchtet sein.
- Die Kameraführung ist entscheidend. Verwenden Sie daher ein Stativ oder eine feste und stabile Ablagefläche. Verwackelte Bilder wirken unprofessionell.
Viele moderne Smartphones nutzen mittlerweile sogar künstliche Intelligenz, um Bilder automatisch zu optimieren. Dennoch werden die Ergebnisse umso besser, je besser das Foto technisch geschossen wird.
Warum Tageslicht und ein neutraler Hintergrund entscheidend sind
Der Fokus des Bewerbungsfotos sollte auf Ihrem Gesicht und Ihrer Person liegen. Verwenden Sie daher neutrale Hintergründe wie eine weiße Wand oder einen neutralen und einfarbigen Vorhang. Verzichten Sie auf einen Bewerbungsfoto-Hintergrund, der viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Außerdem ist es entscheidend, dass Sie gut zu erkennen sind. Um das zu gewährleisten, ist das Tageslicht dem Kunstlicht vorzuziehen.
Kameraposition, Bildausschnitt (Halbporträt) und Gesichtsausdruck
Wenn Sie folgende Vorgaben befolgen, wirkt Ihr Bewerbungsfoto modern und ansprechend:
- Das Format sollte ein Halbporträt sein. Das bedeutet, dass der Kopf und der obere Teil des Oberkörpers abgebildet sind.
- Die Kameraposition sollte ungefähr auf Augenhöhe sein. Wenn das Bild von oben oder von unten geschossen wird, kann das unprofessionell wirken.
- Ihre Augen sollten geöffnet sein und direkt in die Kamera schauen.
- Ihr Gesichtsausdruck sollte möglichst natürlich wirken. Ein leichtes Lächeln wirkt meistens sympathisch und seriös. Verkrampfen Sie also nicht, sondern wirken Sie sympathisch und motiviert.
Bedenken Sie, dass es bei einem Bewerbungsfoto darum geht, Sie als professionelle Person darzustellen, nicht unbedingt darum, einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen. Wählen Sie dementsprechend ein Foto aus, auf dem Sie sympathisch und kompetent wirken, nicht unbedingt das, auf dem Sie am attraktivsten wirken.

Vorbereitung: Kleidung und Styling
Neben den technischen Voraussetzungen und dem Gesichtsausdruck, kommt es bei Bewerbungsfotos auch darauf an, dass Sie sich bezüglich Ihrer Kleidung und Ihres Stylings professionell präsentieren. Grundsätzlich ist dabei zwischen konservativen Branchen und kreativen Berufen zu unterscheiden. In Start-ups und Kreativberufen wird weniger Wert auf ein förmliches Auftreten gelegt; dennoch wird ein gewisses Maß an Professionalität erwartet. Folgende Punkte sind zu beachten, um einen möglichst positiven Eindruck beim möglichen zukünftigen Arbeitgeber zu hinterlassen:
- Wählen Sie Kleidung, die zur Branche passt. Wenn Sie sich beispielsweise bei einer Bank bewerben, wird in der Regel ein Business-Look erwartet, in Kreativberufen darf es leger sein; allerdings sollten Sie dennoch gepflegt auftreten und keine zu auffällige Kleidung wählen, um die Aufmerksamkeit nicht vom Wesentlichen wegzulenken.
- Auch abgesehen von der Kleidung ist es entscheidend, dass Sie sauber und gepflegt wirken. Dazu gehört, dass Sie Ihre Haare frisieren und ggf. den Bart trimmen.
- Für moderne Bewerbungsfotos von Frauen empfehlen wir darüber hinaus, dezentes Make-Up zu wählen. Ein bisschen Akzentuierung kann Sie wacher und ansprechender wirken lassen, starkes Make-Up macht aber eher einen unprofessionellen Eindruck und sollte auf das Privatleben beschränkt werden.
Machen Sie sich noch einmal klar: Ein Bewerbungsfoto ist keine Pflicht. Wenn Sie eines beifügen, ist es aber wichtig, dass es bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Ein schlechtes Bewerbungsfoto macht mehr Schaden als Nutzen, und wenn Sie nicht bereit sind, diese Kriterien zu erfüllen, sollten Sie lieber ganz auf das Foto verzichten als ein schlechtes beizulegen.
So gelingt das Bewerbungsfoto zu Hause – Schritt für Schritt
Jetzt noch einmal in der Kurzfassung und als praktische Handlungsanweisung: Was müssen Sie tun, damit Ihr Bewerbungsfoto zu Hause gelingt?
- Kleiden und stylen Sie sich der Branche entsprechend professionell und ansprechend.
- Wählen Sie einen passenden Ort mit ausreichender Beleuchtung und einem dezenten Hintergrund.
- Positionieren Sie das Smartphone oder die Kamera so, dass Ihr Kopf und der obere Teil Ihres Oberkörpers gut zu erkennen sind und das Objektiv auf Augenhöhe ist. Nutzen Sie ein Stativ oder eine feste Ablagefläche, um verwackelte Bilder zu vermeiden.
- Machen Sie nicht nur ein Foto, sondern mehrere, um danach eine Auswahl zu haben. Wählen Sie dann entsprechend das beste Foto aus. Bei Bedarf können Sie das Foto leicht nachbearbeiten; auf große Effekte sollten Sie hingegen verzichten.
Häufig ist es einfacher, eine andere Person zu bitten, die Fotos zu machen, da ein Selbstauslöser beispielsweise die Gefahr mit sich bringt, dass der Bildausschnitt doch nicht ideal ist oder Ähnliches.
Finden Sie die Position, die am besten zu Ihnen passt
Häufige Fehler bei Bewerbungsfotos
Es gibt einige Fehler, die Sie vermeiden sollten, wenn Sie Ihr Bewerbungsfoto machen. Dazu gehört:
- Verwenden Sie keine Selfies. Das wirkt unprofessionell.
- Urlaubsbilder sind ebenfalls nicht geeignet. Denken Sie daran, dass Sie sich auf Bewerbungsbildern nicht als Privatperson präsentieren.
- Schlechte Beleuchtung oder unscharfe Bilder sind zu verhindern.
- Verwenden Sie keine Passfotos. Passfotos wirken sehr steif und sind ausdruckslos; Bewerbungsfotos dürfen etwas lockerer sein.
- Eine unnatürliche Pose oder übertriebene Bearbeitung wirkt unecht und macht nicht den besten Eindruck.
Wählen Sie also entsprechend ein Foto, auf dem Sie gleichermaßen natürlich und professionell wirken. Es geht darum, Kompetenz und eine sympathische Ausstrahlung auszudrücken.
Wann sich ein professioneller Fotograf trotzdem lohnt
Wie besprochen, ist es durchaus möglich, Bewerbungsfotos selbst zu machen. In einigen Fällen ist es aber dennoch sinnvoll, einen professionellen Fotografen zu beschäftigen. Das kann zum Beispiel in folgenden Szenarien der Fall sein:
- Sie bewerben sich auf eine Position, bei der es besonders viel Konkurrenz gibt.
- Sie bewerben sich um eine Führungsposition.
- Sie bewerben sich um eine Stelle in einer sehr konservativen Branche.
Gute Fotografen sind in der Lage, noch ein bisschen mehr aus einem Bild herauszuholen als eine einfache Fotografie Ihrer Person. Wenn Ihnen der Erfolg Ihrer Bewerbung also wirklich wichtig ist, kann ein professioneller Fotograf auch heute noch sein Geld wert sein.
Zum Abschluss möchten wir Ihnen noch viel Erfolg bei Ihrer Bewerbung wünschen und Ihnen versichern: Selbst wenn Sie eine Stelle einmal nicht bekommen, finden Sie bei Jooble unzählige Stellenangebote und es gibt immer eine neue Chance auf Ihren Traumjob!