Während im Privatleben ein bisschen Spontanität schön sein kann, sollten Sie bei Ihrer beruflichen Zukunft lieber möglichst wenig dem Zufall überlassen. Eine Methode, um berufliche Entscheidungen auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen und die Karriereplanung voranzutreiben, ist die SWOT-Analyse. Wenn Sie sich jetzt fragen: “Was ist eine SWOT-Analyse?“ und “Wie kann ich eine SWOT-Analyse durchführen?“, sind Sie hier genau richtig, denn in unserem heutigen Artikel stellen wir die SWOT-Analyse im Detail vor und beantworten alle wichtigen Fragen rund um dieses Hilfsmittel bei der Karriereplanung.
Was ist eine SWOT-Analyse und wie hilft sie bei der Karriereplanung?
Fangen wir bei der SWOT-Analyse-Definition an. “SWOT” kommt aus dem Englischen und steht für:
- Strengths.
- Weaknesses.
- Opportunities.
- Threats.
SWOT-Analyse Deutsch wäre dementsprechend frei übersetzt:
- Stärken.
- Schwächen.
- Möglichkeiten.
- Risiken.
Ihre Ursprünge findet die SWOT-Analyse in der strategischen Unternehmensplanung. In den 1960er Jahren wurde an der Stanford University unter der Leitung von Albert Humphrey eine Forschungsreihe durchgeführt, deren Ziel es war, festzustellen, warum bestimmte Unternehmen erfolgreich sind, während andere scheitern. Der entscheidende Clou der SWOT-Analyse ist dabei, dass interne, also unternehmensbedingte, Faktoren (eigene Stärken und Schwächen) mit externen Faktoren, also marktbedingten Aspekten (Möglichkeiten und Risiken), zusammengebracht wurden. Was vorerst für die Unternehmensplanung gedacht war, erwies sich auch für die persönliche Karriereplanung als nützlich, und so wurde die SWOT-Analyse-Vorlage für das individuelle berufliche Fortkommen von Arbeitnehmern. Auch hier ist die SWOT-Analyse, einfach erklärt, wertvoll, weil sie alle Aspekte einer beruflichen Entscheidung beleuchtet und damit fundierte und strategisch sinnvolle Schritte ermöglicht.
Die vier Elemente der persönlichen SWOT-Analyse
Was ist eine SWOT-Analyse und wie kann eine SWOT-Analyse Unternehmen ideal auf eine Einzelperson angewendet werden? Um diese Fragen zu klären, müssen wir uns die einzelnen Faktoren der Technik genau anschauen und beleuchten, was mit Stärken, Schwächen, Möglichkeiten und Risiken eigentlich konkret gemeint ist.
Stärken (Strengths)
Im Sinne der SWOT-Analyse meinen wir mit Stärken Ihre Fähigkeiten und Ressourcen, die Sie zu Ihrem beruflichen Vorteil nutzen können. Folgende Aspekte können dabei eine Rolle spielen:
- Fachliche Kenntnisse und Qualifikationen in einem bestimmten Bereich.
- Ihr berufliches Netzwerk.
- Soft Skills, die sich auf Ihre berufliche Tätigkeit anwenden lassen.
- Die gesammelten beruflichen Erfahrungen, die Sie bereits mitbringen.
Ressourcenorientiertes Denken und Arbeiten bedeuten, dass Sie Ihre Stärken nutzen und fördern sollten, anstatt allzu viel Fokus auf Ihre Schwächen zu legen. Machen Sie sich also gerne regelmäßig bewusst, was Sie können, und entwickeln Sie sich in diesen Bereichen konstant weiter.
Schwächen (Weaknesses)
Natürlich hat kein Mensch ausschließlich Stärken, sondern immer auch Schwächen. Im Zusammenhang mit der SWOT-Analyse sind Ihre Schwächen die Punkte, die Ihre Karriere potenziell bremsen. Folgende Punkte sind dabei unter anderem zu beachten:
- Mangelnde Qualifikationen oder Ausbildungen.
- Fehlende praktische Erfahrungen in einem bestimmten Bereich.
- Mangelnde Soft Skills, die Sie zur besseren Ausübung Ihres Berufes benötigen.
Wenn Sie Ihre Schwächen analysieren, geht es nicht darum, dass Sie sich deshalb schlecht fühlen sollen, sondern darum, gezielt auszumachen, in welchen Bereichen Sie sich verbessern können. Wenn Sie feststellen, dass eine bestimmte Schwäche Ihr Fortkommen bremst, können Sie gezielt Weiterbildungsmaßnahmen ergreifen und Ihre Schwächen somit langfristig sogar in Stärken verwandeln.
Möglichkeiten (Opportunities)
Bei den Stärken und Schwächen geht es um Ihre persönliche Eignung. Die Möglichkeiten und Risiken hingegen beziehen sich auf äußere Faktoren wie den Arbeitsmarkt oder die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung. Folgende Aspekte können im Sinne der SWOT-Analyse Beispiele für Möglichkeiten sein:
- Technische Entwicklungen, die neue Märkte erschließen oder die Umsetzung einer Idee ermöglichen.
- Möglicherweise werden in Ihrem Unternehmen Rollen vakant, die es vorher nicht waren (beispielsweise, wenn Mitarbeiter in Rente gehen).
- Faktoren wie das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung (aktuelles Durchschnittsalter in Deutschland liegt bei 44,9 Jahren) und der Fachkräftemangel können Ihnen Berufsfelder erschließen, die vorher vielleicht verschlossen gewesen wären. Laut aktuellen Prognosen werden in Deutschland 2028 etwa 768.000 Fachkräfte fehlen, was viele Betriebe zum Umdenken zwingt.
- Trends, die bestimmte Berufsfelder und Absatzmärkte wachsen lassen.
Je früher Sie bestimmte Möglichkeiten erkennen, desto besser können Sie diese für sich nutzen und bereits ein Experte für etwas werden, von dem Andere vielleicht noch nicht einmal wissen, dass es existiert.
Risiken (Threats)
Wo es Möglichkeiten gibt, gibt es immer auch potenzielle Gefahren. Beziehen Sie diese in Ihre Entscheidungsfindung mit ein, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden und mögliche Entwicklungen nicht zu verschlafen. Mögliche Risiken sind beispielsweise:
- Bestimmte Berufsbilder werden durch Digitalisierung und Automatisierung obsolet.
- Wirtschaftskrisen und Inflation können Märkte bremsen und zum Erliegen bringen.
- Marktentwicklungen wie die Globalisierung können dafür sorgen, dass inländische Arbeitsplätze verloren gehen und ins Ausland verlegt werden. Zwischen 2021 und 2023 betraf das zum Beispiel gut 50.000 Stellen in Deutschland.
Je besser Sie auf solche Risiken vorbereitet sind, desto eher können Sie reagieren und sich vor drohendem Ungemach schützen. Wenn beispielsweise absehbar ist, dass ein bestimmtes Berufsbild ein Auslaufmodell ist, sollten Sie frühzeitig über eine Umschulung nachdenken oder Zusatzqualifikationen erwerben, die Ihnen einen Berufs- oder Branchenwechsel ermöglichen.

So erstellt man eine persönliche SWOT-Analyse
Soweit zur Theorie, was ist SWOT-Analyse aber praktisch betrachtet bzw. wie können Sie Ihre persönliche SWOT-Analyse erstellen?
- Erstellen Sie eine Liste Ihrer persönlichen Stärken.
- Tun Sie dasselbe mit Ihren Schwächen.
- Beschäftigen Sie sich eingehend mit der aktuellen Situation Ihres Unternehmens und der Branche, in der Sie tätig sind.
- Leiten Sie daraus die Möglichkeiten ab, die es für Sie gibt und listen Sie diese auf.
- Tun Sie dasselbe mit den entsprechenden Risiken.
- Anhand dieser Listen können Sie nun konkrete Schritte planen, die Ihren beruflichen Erfolg steigern. Das könnte beispielsweise eine Umschulung, eine Weiterbildung oder eine Initiativbewerbung für eine bald vakante Stelle sein.
Eine Analyse alleine bringt Ihnen noch keinen beruflichen Erfolg. Sie zeigt Ihnen aber auf, welche Schritte Sie sinnvollerweise ergreifen können, um Ihr Ziel zu erreichen.
SWOT-Analyse für konkrete Karriereschritte nutzen
Der eigentliche Wert einer SWOT-Analyse entfaltet sich, wenn Sie darauf aufbauend bestimmte Handlungen ergreifen. Diese Maßnahmen sind dabei konkret sinnvoll:
- Nutzen Sie vorhandene Ressourcen, um eine höhere Position zu bekommen.
- Nutzen Sie Ihr bestehendes berufliches Netzwerk, um eine bestimmte Stelle bekleiden zu können.
- Wenn Sie bereits Branchenkenntnisse mitbringen, hilft das ggf. bei einem Quereinstieg. Eine Anleitung, wie Sie als Quereinsteiger in Mangelberufen Fuß fassen können, finden Sie auch in unserem Blog.
- Minimieren Sie Ihre Schwächen, indem Sie sich beruflich weiterbilden.
- Machen Sie sich frühzeitig mit neuen Technologien oder Ähnlichem vertraut, um einen Vorsprung gegenüber anderen zu generieren.
- Wechseln Sie ggf. die Branche, wenn sich ein massiver Abwärtstrend andeutet.
Welche Schritte sinnvoll sind, hängt immer von der konkreten Situation ab, in der Sie, Ihr Unternehmen und Ihre Branche sich befinden. Außerdem kommt es natürlich darauf an, welche Ziele Sie verfolgen. Grundsätzlich ist es aber ausnahmslos immer von Vorteil, sich über die internen und externen Erfolgsfaktoren und Gefahren zu informieren und vorausschauend zu handeln.
Beispiele für eine persönliche SWOT-Analyse
Nehmen wir an, Sie arbeiten derzeit als Pflegehelfer und haben keine entsprechende Ausbildung. Ihr Ziel ist es, beruflich aufzusteigen, Sie fühlen sich im Pflegesektor aber grundsätzlich wohl. Folgende Analyse könnte sich daraus ergeben:
- Stärken: Sie bringen Berufserfahrung mit, arbeiten bereits praktisch im Pflegesektor und haben ein gutes Verhältnis zu Ihren Kollegen und Vorgesetzten.
- Schwächen: Sie haben keine relevante abgeschlossene Berufsausbildung. Das begrenzt Ihre Aufstiegschancen maßgeblich.
- Möglichkeiten: Im Pflegesektor ist der Fachkräftemangel eklatant und weiter fortschreitend.
- Risiken: Während einer Ausbildung können Ihnen gegenüber Ihrer jetzigen Position vorerst finanzielle Einbußen drohen. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen im Pflegesektor für viele oft belastend und könnten langfristig zu Schwierigkeiten führen.
Anhand dieser Analyse liegt der Schluss nahe, dass Sie eine Ausbildung zur Pflegefachkraft anstreben sollten und diese möglicherweise (aufgrund der guten Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten) im aktuellen Unternehmen denkbar ist. Sie wissen aber auch, dass Sie sich über die Finanzierung Gedanken machen müssen und ggf. Ihr Lebensstandard kurzfristig unter Ihrer Entscheidung leiden kann. Übrigens: Wie Sie mit den komplexen Arbeitsbedingungen in der Pflege umgehen können, thematisieren wir auch in unserem Blog.
Finden Sie die Position, die am besten zu Ihnen passt
Tipps für eine erfolgreiche Karriereplanung
Zum Abschluss möchten wir Ihnen noch einige SWOT-Analyse-Tipps mit auf den Weg geben, die Ihnen langfristig bei der Karriereplanung helfen können:
- Treffen Sie realistische Einschätzungen. Es hilft Ihnen nicht, Ihre Stärken zu überschätzen und ebenso wenig, sich schwächer einzuschätzen als Sie es tatsächlich sind.
- Holen Sie sich ggf. ein Feedback von Kollegen, Vorgesetzten oder anderen Personen, die Ihre Arbeit und die Marktlage einschätzen können.
- Machen Sie regelmäßig eine SWOT-Analyse. Wenn Sie diese einmal machen, können sie Ihnen für eine einzelne Entscheidung helfen, aber um langfristig Erfolg zu haben, müssen Sie sich und die externen Faktoren regelmäßig neu bewerten.
- Leiten Sie konkrete Maßnahmen ein. Selbst das größte theoretische Wissen hilft Ihnen nicht, wenn daraus keine Handlungen entstehen. Machen Sie sich also klar, wo Sie stehen und welche äußeren Bedingungen bestehen, aber belassen Sie es nicht dabei, sondern werden Sie aktiv und bewegen Sie sich auf Ihr Ziel zu.
Die SWOT-Analyse, so hilfreich sie ist, ist am Ende nur eine Technik. Entscheidend ist, was Sie mit den gewonnenen Erkenntnissen machen. Lassen Sie sich also nicht aufhalten und machen Sie noch heute einen Schritt in Richtung Ihrer Traumkarriere!