66 Prozent der Deutschen leiden manchmal oder häufig unter Stress. Im beruflichen Kontext sind laut derselben Umfrage hauptsächlich ein hohes Arbeitspensum und Termindruck dafür verantwortlich. Stress und Burnout am Arbeitsplatz sind seit Jahren ein Phänomen, das mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Eindrucksvoll unterstrichen wird das auch durch Erhebungen der AOK, laut derer es zwischen 2009 und 2023 mehr als eine Verdopplung an Personen gab, die wegen eines Burnouts arbeitsunfähig waren. Über die Gründe für Burnout am Arbeitsplatz, erste Anzeichen Burnout und die Frage, wann aus “normalem” Stress ein Burnout wird, sprechen wir im heutigen Artikel.
Woran Sie Burnout am Arbeitsplatz früh erkennen können
Normalerweise entwickeln Sie ein Burnout-Syndrom nicht plötzlich. Die Symptome verstärken sich über einen längeren Zeitraum und schließlich wird aus Stress eine klinische Diagnose und eine schwere gesundheitliche Belastung. Es ist also ratsam, frühzeitig zu reagieren, wenn Sie merken, dass die Belastung ein ungesundes Maß annimmt. Aber: Was sind erste Anzeichen von Burnout?
- Aufgaben, die Ihnen früher leicht gefallen sind, fühlen sich mehr und mehr unlösbar an.
- Sie sind auch nach Erholungsphasen (Wochenende, Urlaub etc.) erschöpft und belastet.
- Sie verlieren mehr und mehr Motivation.
- Ihr beruflicher Stress wirkt sich regelmäßig auf Ihr Privatleben aus.
- Sie leiden unter Schlafstörungen oder verlieren den Appetit.
- Sie empfinden ein zunehmendes Gefühl der Gleichgültigkeit.
- Sie leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten.
- Sie haben das Gefühl, nur noch zu funktionieren, sind aber emotional distanziert und unbeteiligt.
- Sie leiden unter körperlichen Beschwerden wie Migräne, Kopfschmerzen etc.
Erste Anzeichen von Burnout beginnen oft harmlos, die Symptome werden aber in der Regel stärker, wenn Sie sie nicht ernst nehmen. Mehr Disziplin ist daher oft keine gute Lösung und Sie sollten die ersten Warnsignale ernst nehmen und praktische Schritte ergreifen, um die Belastung zu reduzieren.
Burnout oder „nur“ Stress? Wo der wichtige Unterschied liegt
2020 fühlten sich etwa 25 Prozent der Deutschen am Arbeitsplatz psychisch belastet, aber nicht immer können wir von einem klinischen Burnout am Arbeitsplatz sprechen. Also, wie macht sich ein Burnout bemerkbar und in welchen Fällen handelt es sich um “normalen” Stress? Stress ist situationsbezogen und tritt vereinzelt auf. Wenn Sie beispielsweise eine intensive und arbeitsreiche Phase durchlaufen, ist es normal, dass Sie hin und wieder unter Stress leiden. Nach einer Regenerationsphase sollten Sie sich aber wieder befreiter und motivierter fühlen. Ein Burnout hingegen bedeutet, dass die Regeneration nicht mehr den gewünschten Zweck erfüllt. Sie sind also dauerhaft gestresst und belastet, auch wenn objektiv gerade gar kein Druck besteht.
Warum Burnout und Depression sich ähneln können, aber nicht dasselbe sind
Die Grenzen zwischen einem Burnout und einer Depression sind fließend und viele Symptome ähneln sich. Beide Erkrankungen führen oft zu einer inneren Leere, dem Gefühl der Sinnlosigkeit, sozialem Rückzug und einer tiefgreifenden Antriebslosigkeit. Allerdings steht ein Burnout grundsätzlich im Zusammenhang mit dauerhafter Überlastung, während eine Depression das zwar tun kann, aber nicht muss. Dennoch kann aus einem Burnout auch eine klinische Depression entstehen.

Was Sie tun sollten, wenn erste Anzeichen spürbar werden
Kommen wir zum wichtigsten Punkt im heutigen Artikel: Burnout am Arbeitsplatz vorbeugen. Der wichtigste Punkt zuerst: Nehmen Sie die Warnsignale ernst. Solche Symptome haben nichts mit mangelnder Leistungsfähigkeit oder Schwäche zu tun, sondern sind Ausdruck einer sich entwickelnden Krankheit, die unter Umständen lebensbedrohlich sein kann. Verdrängen Sie die Belastung also nicht, sondern ergreifen Sie konkrete Maßnahmen, um einem schweren Verlauf entgegenzuwirken. Das klingt vielleicht erst einmal einfach, beantwortet aber noch nicht wirklich die Frage “Erste Anzeichen Burnout – was tun?”.
- Als Erstes sollten Sie genau analysieren, was diese Gefühle bei Ihnen auslöst. Seien Sie ehrlich mit sich und schreiben Sie auf, in welchen Situationen Sie sich besonders belastet fühlen.
- Beobachten Sie auch, ob die Symptome sich verstärken und ob Regeneration dazu führt, dass Sie sich besser fühlen oder das Problem bestehen bleibt.
- Legen Sie für sich selbst feste Pausenzeiten fest. Halten Sie diese verbindlich ein, selbst, wenn Andere dafür kein Verständnis zeigen.
- Entspannungsübungen wie Meditationen oder Ähnliches können helfen, bewusster abzuschalten und Pausen zu machen.
- Arbeiten Sie nicht in Ihrer Freizeit. Das Wochenende, Ihr Urlaub und ähnliche Zeiträume sind für Ihre Entspannung wichtig und sollten nicht für Arbeit genutzt werden. Beantworten Sie nach Feierabend keine Mails, nehmen Sie keine Anrufe an und lassen Sie die Arbeit Arbeit sein.
- Setzen Sie klare Grenzen. Wenn Ihr Arbeitgeber verlangt, dass Sie in Ihrer Freizeit dauerhaft arbeiten oder ein extremes Maß an Überstunden ableisten, sagen Sie “Nein”.
- Vertrauen Sie sich Ihren Freunden oder Ihrer Familie an und holen Sie sich Unterstützung oder Beratung.
- Nehmen Sie im Zweifelsfall eine professionelle psychologische Beratung in Anspruch.
- Machen Sie sich klar, in welchen Bereichen Sie zwingend ableisten müssen und wo Sie Entlastung schaffen können. Schaffen Sie dort Entlastung, wo es möglich ist.
Viele Menschen fühlen sich verpflichtet dazu, über das erwartbare Maß an Leistungen zu erbringen. De facto sind Sie das aber nicht. Oft kann es schon helfen, sich diesen Fakt vor Augen zu führen und innerlich ein bisschen Abstand zu nehmen.
Welche Schritte am Arbeitsplatz konkret helfen können
Burnout – Was tun als Arbeitnehmer? Natürlich hilft es nicht, wenn Sie nur innerlich Ihre Lage klären, Sie müssen auch am Arbeitsplatz neue Bedingungen schaffen. Folgende Punkte sind mögliche Ansätze:
- Geben Sie Projekte ab, die auch andere erledigen können und die nichts mit Ihrer eigentlichen Kernaufgabe zu tun haben.
- Schaffen Sie klare Prioritäten, welche Arbeiten wichtig sind und welche nebensächlich, sodass Sie weniger unter Druck geraten, weil wichtige Dinge nicht pünktlich erledigt werden.
- Seien Sie nicht ständig erreichbar und machen Sie klar, dass Sie nicht permanent zur Verfügung stehen.
- Suchen Sie das Gespräch mit Ihren Vorgesetzten und schildern Sie Ihre Situation. Oft treffen Sie auf Verständnis und können so Druck abbauen. Wenn dies nicht der Fall ist, kann ein Jobwechsel sinnvoll sein. Bei Jooble finden Sie zahlreiche Jobangebote und können sich einen Job suchen, der weniger belastend ist.
- Auch eine Umstellung auf Teilzeitarbeit ist eine mögliche Lösung und steht den meisten Arbeitnehmern sogar gesetzlich zu.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber darüber, ob möglicherweise ein Teil der Arbeit remote abgeleistet werden kann oder flexiblere Arbeitszeiten möglich sind, wenn dies Entlastung schafft.
Machen Sie sich klar: Die größte Hürde liegt in Ihnen selbst und häufig empfinden Betroffene ihre Situation als Versagen; andere sehen dies aber meistens nicht so. Offen mit Ihrer Situation umzugehen, nimmt bereits viel Druck aus der Sache und baut die Angst ab, andere zu enttäuschen oder das Gesicht zu verlieren. Wenn es Stress-Mobbing-Burnout am Arbeitsplatz gibt und Sie trotz Ihrer Ehrlichkeit nicht auf Verständnis treffen, seien Sie es wert und suchen Sie sich einen neuen Job. Eine menschenwürdige Behandlung steht Ihnen zu und ist nicht verhandelbar.
Finden Sie die Position, die am besten zu Ihnen passt
Wann Sie sich professionelle Hilfe holen sollten
Professionelle Beratung und Hilfe in Anspruch zu nehmen, sind abermals kein Schuldeingeständnis oder ein Zeichen von Schwäche, sondern ein Ausdruck von Selbstfürsorge. Wenn Sie das Gefühl haben, alleine keine Lösung mehr zu finden, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder direkt an einen Psychologen oder eine Beratungsstelle. In folgenden Fällen sollten Sie definitiv einen solchen mutigen Schritt wagen:
- Die Symptome werden immer stärker.
- Sie haben das Gefühl, alleine keine Lösung für das Problem finden zu können.
- Ihr Privatleben wird immer weiter in Mitleidenschaft gezogen.
- Sie leiden unter starken Ängsten, Hoffnungslosigkeit oder entwickeln sogar Selbstmordphantasien.
- Sie können kaum noch abschalten und stehen unter einem permanenten Dauerdruck.
Manchmal hilft es auch, sich klarzumachen, dass nicht nur Sie unter einer hohen Belastung leiden. Burnout, Depressionen und ähnliche psychische Erkrankungen gehören mittlerweile zum Alltag in Deutschland und es ist keine Schande, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bitte passen Sie auf sich auf und lassen Sie sich helfen. Ihre Gesundheit und Ihr Leben sind schließlich wichtiger als jeder Job!